Sonntag, 18. Mai 2014

Zu sicher gefühlt

Die Erfahrung, daß man sich einer Sache zu sicher sein kann und sie dann erst recht vermasselt, habe ich auch schon zu schülers Zeiten gewonnen. Anlässlich einer in der Tagesschau gezeigten Szene zu einem Bundesligaspiel wurde ich daran erinnert, daß mir vor zig Jahren Ähnliches widerfahren ist.

Im Sportunterricht war ich, wenn es darum ging, zwei Mannschaften zusammenzustellen, immer derjenige, der zuletzt ausgewählt wurde. Fast immer, denn gelegentlich war ich auch mal der Vorletzte. Außer wir haben Rugby gespielt. Da war ich aus mir vollkommen unverständlichen Gründen stets die erste Wahl. Ging es aber um Fußball, dann – siehe oben. Und natürlich wurde ich immer abkommandiert, um das Tor zu hüten. Mein Interesse daran war eher minimalistisch ausgeprägt. Dies umso mehr, als daß der Torwart stets derjenige war, der bei realistischer Betrachtungsweise für eine Niederlage verantwortlich sein würde, keinesfalls aber für einen eventuellen Sieg. Mit anderen Worten: Als Torwart konnte man nur verlieren.

Eine damalige Jungenfußballmannschaft bestand, sofern man nicht in einem Fußballverein spielte, üblicherweise lediglich aus zwei Spielerpositionen. Dies war zunächst die des Torwarts. Den Torwart gab es aber nur, weil die Regeln es vorgeschrieben haben. Freiwillig übernahm den Job keiner. Also wurde ich dazu bestimmt. Irgendwie waren dann alle anderen immer Stürmer. Und wer den Ball hatte, gab ihn natürlich freiwillig nicht mehr ab. Es sei denn, um auf das Tor zu schießen. Eine sehr – sagen wir mal - geradlinige Taktik.

Im Rahmen eines dieser verhassten Spiele kullerte der Ball auf mich zu. Anders kann man das nicht nennen. Natürlich war ich mir ausgesprochen sicher, diesen kullernden Ball aufhalten zu können, bevor er die Torlinie überqueren würde. Ich ging etwas in die Knie, hielt eine Hand in Bodenhöhe, damit der Ball da hineinrollen könnte und wartete ab. Ein eindrucksvoller Sturz Sprung in Richtung des Balls, um ihn dramatisch mit beiden Händen weitab vor der Linie abzufangen, erschien mir maßlos übertrieben und ziemlich uncool zu sein. Der Ball kam näher und näher, und schließlich war er über der Torlinie. Einfach so an mir vorbeigekullert.

Peinlich!

Nie ist ein Loch da, wenn man eines benötigt. Wirklich nie. Natürlich zeigte der Rest des Schultages mir gegenüber seine weniger freundliche Seite. Die in meiner Mannschaft befindlichen Mitschüler machten mir ihre Meinung über die so erbrachte Glanzleistung durchaus eindeutig klar. Dies aber nur rein verbal, denn eine Prügelei wagte niemand mit mir anzuzetteln. Auch meine Argumentation, man könne sich demnächst gerne selber im Tor positionieren, brachte nicht mal Ansatzweise eine Änderung der vorherrschenden Meinung. Meine Qualität als Torhüter schien jedoch trotzdem irgendwie unverändert anerkannt zu sein, denn wie sonst ließe es sich erklären, daß meine Spielposition beim nächsten Mal – na ja, ihr wisst schon wo war?!

Jedenfalls wurde ich weiterhin keiner der zehn Stürmer, die eine Fußballmannschaft eben so hatte.





Kommentare:

  1. Herr Lehrer ich weiß was -
    Dieses hinter einem Ball her gerenne wäre sowieso nichts für dich gewesen. Man hätte geschwitzt und man hätte unter Umständen seinen Körper mit anderen schwitzenden Körper zusammenbringen müssen, um irgendwie an das Objekt der Begierde zu kommen.
    Und möglicher Weise hätten die Mitspieler, auch mit unfairen Mitteln, dir den Ball abgenommen und dich unsaft von den Beinen geholt - grauenhaft solch eine Vorstellung. Brrr

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Echt? Na, da habe ich aber Glück gehabt.

      Löschen
  2. Du brauchst gar nicht zu jammern, du Mann! Fußball, Rugby, Handball! Das ist es doch, was ihr Buben immer habt spielen dürfen! Und wir, wir Mädels, hä? Geräte-, Bodenturnen, Jazz-Tanz und so ein Mist.... das Leben ist grausam und ungerecht. Kennt man ja. Und einmal mussten wir sogar mit so bunten Bändern durch die Halle springen.... ach, Gott im Himmel! Was bin ich froh, dass ich da nicht mehr hin muss.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach, das mit den bunten Bändern ist auch Sport? Ich bin erschüttert. So etwas ähnliches mache ich hier schon mal, um die Katzenbande auf Trab zu bringen. Ach, dann doch lieber Hallenhalma.

      Löschen